65 Prozent der 18- bis 30-Jährigen in Deutschland halten das Altersvorsorgedepot für attraktiv, das zum 1. Januar 2027 an den Start geht. Zugleich rechnen nur noch 49 Prozent damit, später eine gesetzliche Rente zu beziehen, nach 56 Prozent im Vorjahr. Das geht aus einer forsa-Umfrage hervor, die ING Deutschland und Visa am 20. August veröffentlicht haben.
Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich geförderter Vorsorgevertrag ohne Beitragsgarantie. Das Geld fließt über den Anbieter in Fonds und ETFs, Erträge bleiben in der Ansparphase steuerfrei. Versteuert wird erst, wenn die Auszahlung beginnt.
So funktioniert die Förderung
Die Zulage steigt nicht linear, sondern in zwei Stufen. Auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag im Jahr legt der Staat 50 Cent je Euro drauf, das ergibt höchstens 180 Euro. Für alles zwischen 360,01 und 1.800 Euro gibt es 25 Cent je Euro, also bis zu 360 Euro. In der Summe kommen so maximal 540 Euro Grundzulage im Jahr zusammen.
Für Eltern gibt es bis zu 300 Euro je Kind und Jahr obendrauf. Nach Angaben der Bundesregierung reicht dafür ein eigener Sparbeitrag von 25 Euro im Monat. Wer vor dem 25. Geburtstag abschließt, bekommt zusätzlich einmalig 200 Euro als Berufseinsteigerbonus.
Nach oben ist der Vertrag bei 6.840 Euro Jahresbeitrag gedeckelt. Gefördert wird davon allerdings nur der Anteil bis 1.800 Euro, der Rest läuft ohne Zulage mit.
Was der Verzicht auf Garantien bedeutet
Ein förderfähiges Altersvorsorgedepot kommt ohne Garantie aus. Das Bundesfinanzministerium beschreibt es als Vertrag, bei dem auf Garantien verzichtet wird, um renditeorientierte Anlageformen zu ermöglichen. Eine Pflicht zur Beitragsgarantie gibt es für die neuen Produkte nach Angaben der Bundesregierung nicht.
Für Sparer heißt das, dass Kursverluste unmittelbar auf das angesparte Kapital durchschlagen. Eine Untergrenze, unter die der Wert nicht fallen kann, gibt es nicht mehr.
Das Riester-Sparen läuft damit aus. Verträge, die bereits abgeschlossen sind, bleiben bestehen und werden nicht gekündigt. Neu abschließen lässt sich ein Riester-Vertrag ab 2027 nicht mehr.
Was junge Erwachsene von der gesetzlichen Rente erwarten
Für die Umfrage hat forsa im Juni 2026 rund 1.000 Verbraucher zwischen 18 und 30 Jahren befragt. 79 Prozent von ihnen sorgen sich um ihre Altersvorsorge oder fürchten Altersarmut, und nur 5 Prozent vertrauen darauf, dass die staatliche Rente reichen wird.
Beim Altersvorsorgedepot fällt der Kenntnisstand zwischen den Geschlechtern auseinander. 66 Prozent der jungen Männer haben davon gehört, unter den jungen Frauen sind es 50 Prozent. Auftraggeber der Befragung sind mit ING Deutschland und Visa zwei Unternehmen, die selbst Anlageprodukte verkaufen.
Wann und wie das Geld ausgezahlt wird
Vor dem 65. Geburtstag kommt niemand an das Kapital, unter bestimmten Bedingungen ist der Start mit 62 möglich. Zur Wahl stehen dann eine lebenslange Leibrente und ein Auszahlungsplan, der mindestens bis zum 85. Lebensjahr reichen muss. Beim Auszahlungsplan bleibt das Guthaben vererbbar.
Wer mit seinem Anbieter unzufrieden ist, kann nach fünf Jahren kostenfrei wechseln, und ein Vertrag lässt sich auch ruhen lassen. Für das öffentlich verwaltete Standarddepot gilt ein Kostendeckel von 1,0 Prozent. Im ursprünglichen Entwurf hatte er noch bei 1,5 Prozent gelegen.
Der Weg durch Bundestag und Bundesrat
Beschlossen hat der Bundestag das Altersvorsorgereformgesetz am 27. März 2026 mit den Stimmen von CDU/CSU und SPD. Die Linke lehnte ab, AfD sowie Bündnis 90/Die Grünen enthielten sich. Am 8. Mai 2026 stimmte der Bundesrat zu, Ende Mai trat das Gesetz in Kraft.
Anbieten dürfen die Institute die neuen Produkte trotzdem erst ab dem 1. Januar 2027. Bis dahin gibt es kein förderfähiges Altersvorsorgedepot zu kaufen.
Wie die Gen Z heute anlegt
Parallel zur Umfrage hat die ING anonymisierte Daten von rund 1,1 Millionen jungen Kundinnen und Kunden aus dem ersten Halbjahr 2026 ausgewertet. 47 Prozent der jungen Depotkunden zahlen regelmäßig in einen Wertpapiersparplan ein, im Schnitt 365 Euro im Monat nach 351 Euro im Vorjahr. 90 Prozent dieses Geldes fließen in börsengehandelte Indexfonds.
Das durchschnittliche Depotvolumen ist binnen eines Jahres von 14.600 auf 17.800 Euro gestiegen. Über alle Sparziele hinweg steht der Notfallfonds mit 64 Prozent vorn, die Altersvorsorge folgt mit 53 Prozent.


