Nach dem ZDF-Politbarometer vom 20. August 2026 lehnen 75 Prozent der Befragten die geplante Abschaffung der Rente mit 63 ab, und zwar quer durch alle Parteianhängerschaften. 20 Prozent stimmen dem Plan zu.
Eine Umfrage ändert die Rechtslage nicht. Die Abschaffung ist bislang eine Empfehlung und kein Gesetz.
Was derzeit noch gilt
Die Bundesregierung beschreibt die Altersrente für besonders langjährig Versicherte in ihrer Übersicht vom 14. August 2026 als geltendes Recht. Umgesetzt ist die Empfehlung der Kommission nicht, ein Gesetz liegt nicht vor.
Für 45 Versicherungsjahre gibt es eine eigene Rente
Hinter dem Schlagwort steckt die Altersrente für besonders langjährig Versicherte. Voraussetzung sind 45 Versicherungsjahre. Wer sie zusammenbekommt, kann vor der Regelaltersgrenze aufhören, ohne dass die Rente dauerhaft gekürzt wird.
Das Schlagwort führt inzwischen in die Irre. Abschlagsfrei mit genau 63 in Rente gehen konnten allein die Jahrgänge vor 1953. Danach wurde die Grenze schrittweise angehoben.
Ab welchem Alter der jeweilige Jahrgang gehen kann
Die Bundesregierung veröffentlicht dazu eine Übersicht. Die Eckwerte:
- 1950 bis 1952: 63 Jahre
- 1953: 63 Jahre und 2 Monate
- 1958: 64 Jahre
- 1961: 64 Jahre und 6 Monate
- ab 1964: 65 Jahre
Zwischen diesen Marken steigt die Grenze in Monatsschritten. Für die Jahrgänge, die sie derzeit erreichen, liegt sie damit bei rund 64 Jahren und nicht bei 63.
Warum die Rente nach 35 Jahren nicht dasselbe ist
Es gibt eine zweite Frührente, die Altersrente für langjährig Versicherte. Sie verlangt nur 35 Versicherungsjahre und ist wirklich ab 63 möglich, dafür fällt allerdings ein dauerhafter Abschlag an.
Pro Monat, den jemand früher aufhört, sinkt die Rente um 0,3 Prozent, und dieser Abzug bleibt bestehen. Ohne Abschlag gibt es diese Rente für die Jahrgänge ab 1964 erst mit 67. Gemeinsam ist beiden Renten nur die Zahl 63, bei den Versicherungsjahren und beim Abschlag gehen sie auseinander.
Woher der Abschaffungsplan kommt
Am 23. Juni 2026 übergab die Alterssicherungskommission ihren Bericht an die Bundesregierung. Sie empfiehlt darin, den abschlagsfreien Renteneintritt für besonders langjährig Versicherte zu streichen.
Der Koalitionsausschuss nahm den Bericht am 2. Juli 2026 entgegen und sagte zu, alle 33 Empfehlungen vollständig und zügig umzusetzen. Das Gesetzgebungsverfahren soll nach Angaben der Bundesregierung bis Ende 2026 abgeschlossen sein.
Wie die Umfrage zustande kam
Für das Politbarometer befragte die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen zwischen dem 17. und dem 19. August 2026 insgesamt 1.319 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte. Das ZDF beziffert die Fehlertoleranz auf etwa drei Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 40 Prozent und auf etwa zwei Punkte bei einem Wert von 10 Prozent.
Die weiteren Ergebnisse der Erhebung
Neben der Rente ging es im Politbarometer um den Klimawandel. Zwischen 69 und 81 Prozent der Befragten erwarten, dass dessen Folgen Deutschland stark schaden werden, und 75 Prozent halten die politischen Maßnahmen beim Hitzeschutz für unzureichend. Dass russischer Einfluss in Deutschland gefährlich ist, meinen 79 Prozent.
In der Projektion zur Sonntagsfrage liegt die AfD mit 27 Prozent vorn, CDU und CSU folgen mit 22 Prozent, die Grünen mit 14. SPD und Linke erreichen je 12 Prozent, die FDP 4.
Diese Punkte sind offen
Ob rentennahe Jahrgänge geschützt werden, die bereits mit 45 Versicherungsjahren kalkuliert haben, steht nicht fest. Eine Übergangsregelung schlägt die Kommission zwar vor, bezieht sie in der Darstellung der Bundesregierung aber auf die Kapitalrente und nicht ausdrücklich auf die Frührente.
Unklar bleibt außerdem, wie die Empfehlung durch das Verfahren kommt, denn der Bundestag hat darüber noch nicht abgestimmt. Ob die Ablehnung bei jüngeren Beitragszahlern genauso hoch ausfällt wie bei älteren, geht aus der Mitteilung des ZDF ebenfalls nicht hervor.


