Der Schuhhersteller GEKA-Sport ruft den Kinder-Winterstiefel LICO Lappland zurück, betroffen ist die Artikelnummer 720484. In einer untersuchten Probe lagen die Werte für Perfluoroctansäure und für PFOA-verwandte Stoffe über den in der EU zulässigen Grenzwerten. Angeordnet hat den Rückruf die zuständige Marktüberwachungsbehörde.
Zurückgerufen wird allein die Farbkombination marine/lemon in den Größen 28 bis 41. Wer ein solches Paar besitzt, soll es nicht weiter verwenden und nicht in den Hausmüll geben. Die Rücksendung ist kostenlos, der Kaufpreis wird erstattet.
Woran sich das betroffene Paar erkennen lässt
Der Rückruf ist eng gefasst und trifft nur eine Ausführung. Maßgeblich ist die Artikelnummer 720484, dazu die Farbkombination marine/lemon. Betroffen sind die Größen 28 bis 41. Andere Farben des Lappland und andere LICO-Stiefel nennt der Hersteller nicht.
Für den Abgleich braucht es also drei Angaben, nämlich Artikelnummer, Farbe und Größe. Zu finden sind sie am Schuh selbst oder auf der Verpackung.
Was ohne Originalverpackung noch bleibt
Der Hersteller hat weder eine EAN-Nummer veröffentlicht noch einen Verkaufszeitraum oder eine Liste der Geschäfte, die die Stiefel geführt haben. Wer den Karton nach dem Kauf entsorgt hat, kann einen Kauf also nicht über das Datum ausschließen und auch nicht über den Händler.
Bleibt der Blick auf den Schuh selbst. Lässt sich dort nichts mehr entziffern, hilft nur die Nachfrage beim Kundenservice, bevor das Paar wieder getragen wird. Die Spanne von Größe 28 bis 41 deckt mehrere Jahrgänge ab, der Kauf kann also entsprechend lange zurückliegen.
Was PFOA in einem Winterstiefel zu suchen hat
Perfluoroctansäure zählt zu den PFAS, jener Stoffgruppe, die Oberflächen wasser- und schmutzabweisend macht. Für einen Winterstiefel ist das keine Nebensache, sondern der Kaufgrund. Beschichtungen mit solchen Verbindungen waren in der Schuhherstellung deshalb lange üblich.
Heute sind sie es nicht mehr. 2019 kam PFOA samt Salzen und verwandten Verbindungen in Anhang A des Stockholmer Übereinkommens, der auf die vollständige Beseitigung eines Stoffes zielt. Innerhalb der EU setzt die Verordnung (EU) 2019/1021 über persistente organische Schadstoffe diese Vorgabe um, kurz POP-Verordnung. Auf sie stützt sich der Rückruf. Persistent bedeutet in diesem Fall, dass sich der Stoff in Umwelt und Körper kaum abbaut.
Die Internationale Agentur für Krebsforschung stuft PFOA seit November 2023 als krebserregend für den Menschen ein, Gruppe 1. Ausschlaggebend waren Hinweise auf Nieren- und Hodenkrebs aus Bevölkerungsstudien, Ergebnisse aus Tierversuchen und Befunde zur Wirkweise im menschlichen Gewebe.
Was der Rückruf über das Risiko sagt und was nicht
Vom Stoff auf das konkrete Paar Stiefel lässt sich mit den vorliegenden Angaben nicht schließen. Wie hoch der gemessene Wert lag, hat weder das Unternehmen noch die Behörde veröffentlicht. Eine Risikobewertung für das Produkt liegt ebenfalls nicht vor.
Der Rückruf beruht damit auf einer Grenzwertüberschreitung im Rechtssinn, nicht auf einem nachgewiesenen Gesundheitsschaden. Das ändert nichts an der Empfehlung, das Paar aus dem Verkehr zu ziehen.
Wie die Erstattung abläuft
Für die Rückgabe hat der Hersteller ein Rückrufformular auf seiner Website eingerichtet. Wer das Paar dort meldet, erhält ein kostenloses Retourenlabel und schickt die Stiefel damit zurück, anschließend wird der Kaufpreis erstattet. Der zweite Weg führt in das Geschäft, in dem die Stiefel gekauft wurden, solange die Gewährleistung noch läuft.
Fragen zur Aktion beantwortet der Kundenservice unter rueckruf@bruetting.com. Ob für die Erstattung ein Kaufbeleg vorliegen muss, steht in der Rückrufinformation nicht. Genannt wird dort neben der GEKA-Sport GmbH auch die Brütting & Co. EB-Sport International GmbH.
Welche Datenbank für welche Ware zuständig ist
Rückrufe verteilen sich in Deutschland auf mehrere Stellen, und die Zuständigkeit hängt an der Warengruppe. Für Non-Food-Produkte sammelt die EU-Kommission die Meldungen der nationalen Behörden im Schnellwarnsystem Safety Gate, durchsuchbar nach Produktart und Marke. Lebensmittelrückrufe stehen im amtlichen Portal lebensmittelwarnung.de, Fahrzeugrückrufe in der Datenbank des Kraftfahrt-Bundesamts.
Wer nicht nach Warengruppe sortieren möchte, findet auf dem privaten Portal produktwarnung.eu alles nebeneinander, von Textilien über Spielzeug bis zu Elektrogeräten. Dort erschien auch die Meldung zu den LICO-Stiefeln.
Wie viele Paare in Deutschland verkauft wurden und ob der Rückruf auch andere Länder erfasst, ist bislang nicht bekannt. Angaben dazu hat die GEKA-Sport GmbH nicht gemacht.


